2021: Muskel- und Skeletterkrankungen Jugendliche und junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

Kontroll- und Beratungsschwerpunkt der Arbeitsinspektion zur Prävention von Muskel- und Skeletterkrankungen (MSE) bei Jugendlichen und jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern

Hintergrund

Etwa 20 % aller Krankenstandstage sind auf Muskel- und Skeletterkrankungen (MSE) zurückzuführen. MSE sind Erkrankungen, die sich, abgesehen von akuten Verletzungen, erst ab einem gewissen Alter der Menschen zeigen. Wie auch bei anderen arbeitsbedingten Erkrankungen mit langer Latenzzeit kommt auch bei den MSE der Prävention ein großer Stellenwert bei. SLIC und OSHA werden von Oktober 2020 bis November 2022 eine Kampagne zum Thema mit dem Titel „Gesunde Arbeitsplätze – entlasten Dich!“ durchführen bzw. begleiten.

Die Zunahme von Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) in den vergangenen Jahrzehnten stellt ein Paradoxon dar, da die technischen und ergonomischen Arbeitsbedingungen sich stetig verbessert haben. Den Beschwerden lassen sich in der Regel aber keinesfalls einfache monokausale Ursachen zuordnen, da die Wirkmechanismen vielschichtig und heterogen sind.

Die Arbeitsinspektion wird sich mit einem spezifischen Präventionsschwerpunkt beteiligen. Dieser Schwerpunkt ist auch Teil der Österreichischen Jugendstrategie 2021.

Der Start des Schwerpunktes steht derzeit nicht fest und wird abhängig von der epidemiologischen Enwicklung von COVID-19 erfolgen.

Ziele des Kontroll- und Beratungsschwerpunkts

  • Jugendliche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sollen vor Über-Belastungen geschützt werden (Augenmerk auf Evaluierung nach dem KJBG), junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sollen informiert und unterwiesen werden um langfristige Schäden zu vermeiden.
  • Verbesserter Informationsstand bei Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern als auch bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.
  • Arbeitsplatzevaluierungen der Belastungen des Muskel- und Skelettapparates werden initiiert oder bestehende verbessert.

Die Kontrollen und Beratungen werden durch die Expertinnen und Experten der Arbeitsinspektion für die Beschäftigung von Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Es sollen etwa 450 Betriebe aufgesucht, kontrolliert und beraten werden.

Lehrbetriebe mit gewisser Wahrscheinlichkeit, dass bei Arbeiten übermäßige Belastungen des Muskel- und Skelettapparates von Jugendlichen auftreten. Da bei den jugendlichen Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen die Überlastung im Vordergrund steht, stehen vor allem Arbeiten unter Zwangshaltungen, Arbeiten mit Haltearbeit und Heben und Tragen von Lasten im Vordergrund. Folgenden Branchen, bei denen erfahrungsgemäß ein höheres Risiko für MSE besteht, werden besonders betrachtet werden:

  • Bau und Baunebengewerbe
  • Handel und Logistik, insbes. Großhandel, Baumärkte und Elektrohandel, Verteilzentren
  • Instandhaltung und Reparatur von Kfz
  • Küchen, Nahrungsmittelherstellung
  • Metall- / Kunststofferzeugung und –verarbeitung
  • Möbeltischler

Größere Ausbildungsbetriebe oder überbetriebliche Ausbildungseinrichtungen sollen ebenfalls berücksichtigt werden.

Checkliste

Für die Durchführung der Kontrollen wird von den Arbeitsinspektoraten eine Checkliste mit Parametern zur Verfügung gestellt, bei deren Überschreitung eine Intervention des Arbeitsinspektorats zu erfolgen hat. Diese Checkliste stehrt allen Interessierten zum Download zur Verfügung - Checkliste MSE (Beurteilungshilfe für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber)

  • Die Checkliste enthält mess- und beurteilbare Parameter, Beispiele typischer Tätigkeiten und Angaben zur betroffenen Körperregion, die den Schluss nahelegen, dass eine Gefahr oder Belastung durch diese Tätigkeiten bestehen könnte.
  • Die hier angeführten Parameter sind keine Grenzwerte im üblichen Sinn, bei deren Überschreitung eine Erkrankung (über kurz oder lang) auftreten kann sondern nur das Signal dafür, sich den Arbeitsplatz und die Tätigkeiten aus präventiver Sicht anzusehen. Andererseits kann aber sehr wohl gesagt werden, dass bei Unterschreitung der Parameter mit großer Wahrscheinlichkeit keine langfristigen Schäden zu erwarten sind, also kein Handlungsbedarf seitens der Arbeitsinspektion aber auch für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber besteht.
  • Die Arbeitsinspektorate stellen Risikofaktoren für das Auftreten von MSE am Arbeitsplatz fest und fordern Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber auf, die Belastungen und daraus resultierende Beanspruchungen zu evaluieren und Maßnahmen zu setzen („begründetes Verlangen des Arbeitsinspektorates“ gemäß § 4 Abs. 5 Z 6 ASchG). Sicherheitsfachkräfte und Arbeitsmedizinerinnen und Arbeitsmediziner sowie erforderlichenfalls weitere geeignete Fachleute sind beizuziehen.


Letzte Änderung am: 19.02.2021