Schwangere Arbeitnehmerinnen

Sind schwangere Arbeitnehmerinnen einer erhöhten Infektionsgefährdung durch SARS-CoV-2 ausgesetzt, sind weiterhin entsprechende Schutzmaßnahmen zu setzen, um sie vor Ansteckung zu schützen. In Berufen mit Körperkontakt gilt die coronabedingte Sonderfreistellung.

Keine Freistellung aus medizinischen Gründen

Eine Rechtsgrundlage für eine Freistellung unter Bezug des vorzeitigen Wochengelds ausschließlich auf Grund von COVID-19 besteht nicht. Informationen zur Freistellung aus medizinischen Gründen finden sich hier

Beschäftigungsverbote und –beschränkungen aufgrund SARS-CoV-2                                          

Tätigkeiten mit COVID-19-Erkrankten oder Verdachtsfällen

Bei Tätigkeiten mit COVID-19-Erkrankten oder Verdachtsfällen (z.B. COVID-19-Stationen, COVID-19-Testung) kommt das Beschäftigungsverbot zu Arbeiten mit biologischen Arbeitsstoffen zur Anwendung.

§ 4 Abs. 2 Z 11 MSchG

Tragen von Schutzmasken der Art FFP1, FFP2 oder FFP3 und Corona SARS-CoV-2 Pandemie Atemschutzmasken (CPA)

Entsprechend der aktuellen Studienlage wird davon ausgegangen, dass eine Tragedauer von FFP2-Atemschutzmasken von insgesamt maximal einer Stunde pro Tag keine Gefährdung für die Schwangere und deren ungeborenes Kind darstellt.
Aus Sicht des Arbeitsschutzes dürfen schwangere Arbeitnehmerinnen daher nicht mit Tätigkeiten beschäftigt werden, die das Tragen von Schutzmasken der Art FFP1, FFP2 oder FFP3 und Corona SARS-CoV-2 Pandemie Atemschutzmasken (CPA) erfordern, weil diese Masken die Atmung erschweren.

In den Fällen, in denen die gesundheitsrechtlichen Regelungen eine generelle FFP2-Maskenpflicht vorsehen, sind Schwangere ausdrücklich davon ausgenommen, sie können stattdessen einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Mutterschutzevaluierung und COVID-19-Schutzmaßnahmen  

Solange seitens des Gesundheitsministeriums die Pandemiesituation nicht aufgehoben ist, gilt für schwangere Arbeitnehmerinnen in Zusammenhang mit COVID-19 zwar kein allgemeines Beschäftigungsverbot, die Infektionsgefährdung ist aber im Rahmen der Mutterschutzevaluierung mitzuberücksichtigen.

Bei erhöhter Infektionsgefährdung durch SARS-CoV-2 sind entsprechende Schutzmaßnahmen zu setzen, um schwangere Arbeitnehmerinnen vor Ansteckung zu schützen. Die arbeitsmedizinische Betreuung des Betriebes ist in die Festlegung der Maßnahmen miteinzubeziehen.

Bei der Ermittlung der notwendigen Maßnahmen ist zwischen geimpften bzw. genesenen und nicht geimpften Schwangeren zu unterscheiden:

Geimpfte bzw. genesene schwangere Arbeitnehmerinnen

  • Für geimpfte Schwangere gelten die Schutzmaßnahmen nach den gesundheitsrechtlichen Regelungen, d.h. sie dürfen – wenn diese eingehalten werden – wieder wie gewohnt ihrer Arbeit nachgehen, auch in Berufen mit Körperkontakt.
  • Dies gilt auch für genesene schwangere Arbeitnehmerinnen, wenn ein Genesungsnachweis oder eine ärztliche Bestätigung über eine in den letzten 180 Tagen überstandene Infektion mit SARS-COV-2 vorliegt.
Hinweis: Die Regelung zur Sonderfreistellung für Körperkontaktberufe gemäß § 3a MSchG kommt seit 1. Juli 2021 für geimpfte Schwangere nicht mehr zur Anwendung (§ 3a Abs. 3a MSchG), für Genesene hingegen schon.

Nicht geimpfte schwangere Arbeitnehmerinnen

Nicht geimpfte Schwangere müssen weiterhin entsprechend gegen COVID-19 geschützt werden.

  • Überall dort, wo neben den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auch betriebsfremde Personen, die sich am jeweiligen Arbeitsort aufhalten (z.B. Kundinnen und Kunden) einen 3-G- bzw. 2-G-Nachweis vorweisen müssen, kann eine Schwangere auch ohne immunologischen Schutz arbeiten. Auch in Berufen mit Körperkontakt dürfen nicht geimpfte Schwangere bis zur 14. Schwan-gerschaftswoche, ab welcher ein Anspruch auf Sonderfreistellung gemäß § 3a MSchG besteht, Arbeiten direkt an anderen Personen durchführen.

    In diesen Fällen reicht es derzeit aus, zusätzlich organisatorische und persönliche Maßnahmen zu setzen, wie z.B.
    • eine Trageverpflichtung von Mund-Nasen-Schutz für die Schwangere in geschlossenen Räumen und
    • die Gewährung fixer zusätzlicher Pausen
  • In Betrieben, in denen betriebsfremde Personen keinen 3-G- bzw. 2-G-Nachweis vorweisen müssen und die Schwangere gleichzeitig Kontakt mit diesen Personen (z.B. Patientinnen und Patienten in Ordinationen) hat, sind zusätzlich zu den oben beschriebenen organisatorischen und persönlichen Maßnahmen noch weitere Schutzmaßnahmen zu setzen. So hat z.B.
    • bei Tätigkeiten mit Körperkontakt die schwangere Arbeitnehmerin einen MNS und die jeweils andere Person, mit welcher Körperkontakt besteht , eine FFP-2-Maske zu tragen.
Hinweis: Dementsprechend dürfen nicht geimpfte Schwangere in Kinderbetreuungseinrichtungen auch bis zur 14. Schwangerschaftswoche   weiterhin nicht im direkten Kontakt mit Kindern beschäftigt werden, weil für die Kinder weder eine Testung noch das Tragen von MNS verpflichtend vorgesehen ist


  • Auch in Betrieben, in denen kein Kontakt mit betriebsfremden Personen besteht, müssen gegebenenfalls geeignete Schutzmaßnahmen getroffen werden. So ist z.B.
    • einer schwangeren Arbeitnehmerin in einem Großraumbüro ein eigener gut be- und entlüfteter Bereich mit entsprechendem Abstand (mindestens 2 m) zu anderen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zur Verfügung zu stellen. Homeoffice und Einzelbüro sind weiterhin empfehlenswert.

§§ 2a, 2b MSchG

Sonderfreistellung

Seit Jänner 2021 wird im Mutterschutzgesetz geregelt, dass schwangere Arbeitnehmerinnen ab Beginn der 14. Schwangerschaftswoche bis zum Beginn eines Beschäftigungsverbotes nach § 3 MSchG (absolute Schutzfrist oder Freistellung aus medizinischen Gründen) nicht mit Arbeiten beschäftigt werden dürfen, bei denen ein physischer Körperkontakt mit anderen Personen erforderlich ist.   

Die Sonderfreistellung kommt seit 1. Juli 2021 nicht mehr zur Anwendung, wenn die werdende Mutter gegen SARS-CoV-2 geimpft ist und ein vollständiger Impfschutz vorliegt.

Die Schwangere muss die Arbeitgeberin oder den Arbeitgeber 14 Tage im Vorhinein informieren, wann der vollständige Impfschutz eintritt.

Nach den derzeitigen Erkenntnissen auf Basis der aktuellen Empfehlungen des Nationalen Impfgremiums liegt ein vollständiger Impfschutz bei allen Impfstoffen für 4 Monate ab dem 2. Stich vor. 

Sollten die 4 Monate ablaufen, ohne dass davor eine Boosterimpfung (3. Stich) erfolgt ist, liegt kein vollständiger Impfschutz mehr vor und die schwangere und grundsätzlich geimpfte Arbeitnehmerin hat Anspruch auf die Sonderfreistellung.

Die Regelung gilt bis Ende März 2022

Nähere Informationen dazu finden Sie hier.

Weitere allgemeine Informationen zur Sonderfreistellung stehen auf der Website des Bundesministeriums für Arbeit zur Verfügung.

§ 3a MSchG

Weitere Hinweise

  • Das Kinderbetreuungsgeld wird nicht reduziert, sollten Untersuchungen, die im Mutter-Kind-Pass vorgesehen sind, aufgrund der derzeitigen Einschränkungen nicht durchgeführt werden können.
  • Kurzarbeit hat keine Auswirkungen auf das Wochengeld.
  • Informationen zu Verwendung von Händedesinfektionsmittel durch schwangere Arbeitnehmerinnen finden Sie hier 

Letzte Änderung am: 12.01.2022