Ermächtigte Ärztinnen und Ärzte

Eignungs- und Folgeuntersuchungen sind von hiezu ermächtigten Ärztinnen und Ärzten durchzuführen. Genauere Angaben zur Vorgangsweise bei der Durchführung der Eignungs- und Folgeuntersuchungen sind gesetzlich vorgegeben. (§§ 52 bis 56 ASchG)

Ermächtigung gemäß § 56 ASchG

Mit 1. August 2017 ist durch BGBl. I Nr. 126/2017 eine Novelle des Bundesgesetzes über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit (ArbeitnehmerInnenschutzgesetz - ASchG) in Kraft getreten.

Diese Novelle beinhaltet auch eine Neuregelung der Ermächtigungen (PDF, 0,6 MB) gemäß § 56 ASchG. Die nach alter Rechtslage erforderlichen Bescheidverfahren wurden durch ein Meldeverfahren mit Listeneintrag ersetzt.

Zur Erlangung einer Ermächtigung für die Durchführung von Eignungs- und Folgeuntersuchungen ist dem Bundesminister für Arbeit und Wirtschaft vor der erstmaligen Durchführung der jeweiligen Untersuchung eine Meldung zu übermitteln.

Bei der Meldung ist folgendes zu beachten:

Die Meldung ist einzubringen beim Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft, Sektion Arbeitsrecht und Zentral-Arbeitsinspektorat, Favoritenstraße 7, 1040 Wien, Postadresse: Stubenring 1, 1010 Wien.

Die Meldung ist mit der Unterschrift der/des Ansuchenden zu versehen. Die/Der Ansuchende muss eine Ärztin/ein Arzt (natürliche Person) sein; juristische Personen (Verein, GmbH. usw.) können nicht ermächtigt werden.

Die Meldung hat folgende Informationen zu enthalten:

  • Name, Anschrift, Telefonnummer und E-Mail-Adresse der/des Ansuchenden
    Es sind jeweils nur jene Adressdaten bekanntzugeben, unter denen die Eintragung in die Ermächtigten-Datenbank erfolgen soll.
  • Angabe der gewünschten Ermächtigung
    Es sind alle Arbeitsstoffe, Einwirkungen oder Tätigkeiten, für die eine Eintragung in die Ermächtigten-Datenbank erfolgen soll, anzugeben.
  • Ausbildungsnachweise
    Es sind das Ius practicandi oder die Facharztausbildung und das Zertifikat einer anerkannten Ausbildungseinrichtung über die abgeschlossene arbeitsmedizinische Ausbildung beizulegen; weiters bei chemisch-toxischen Arbeitsstoffen zusätzlich der Laborpraktikumsnachweis, sofern das Laborpraktikum nicht bereits im Rahmen der arbeitsmedizinischen Ausbildung absolviert wurde. Ausbildungsnachweise sind nur bei erstmaliger Antragstellung zu übermitteln.
  • Nachweis der apparativen Ausstattung
    Es ist die nach der Art der Untersuchung erforderliche apparative Ausstattung anzugeben.
  • Name, Anschrift und Telefonnummer von Ärztinnen/Ärzten oder Labors, die für Teilbereiche der Untersuchungen in Anspruch genommen werden
    Es ist anzugeben, für welchen Teilbereich diese Ärzte/Ärztinnen/Labors jeweils in Anspruch genommen werden.

Nach dem Einlangen aller erforderlichen Unterlagen und Informationen erfolgt die Eintragung in die Ermächtigten-Datenbank. Bei Untersuchungen zur Feststellung der gesundheitlichen Eignung für Tätigkeiten, die eine Berufskrankheit verursachen können, erfolgt die Eintragung erst nach Anhörung der Allgemeinen Unfallversicherung.

Die Ansuchenden werden per E-Mail über die Eintragung in die Ermächtigten-Datenbank informiert.

Ermächtigung gemäß der Druckluft- und Taucherarbeiten-Verordnung

Zur Erlangung der Ermächtigung zur Durchführung der ärztlichen Untersuchungen nach der Druckluft- und Taucherarbeiten-Verordnung ist ein formloser schriftlicher Antrag beim Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft, Sektion Arbeitsrecht und Zentral-Arbeitsinspektorat, Favoritenstraße 7, 1040 Wien, Postadresse: Stubenring 1, 1010 Wien, einzubringen.

Dem Antrag sind folgende Ausbildungsnachweise beizulegen:

  • Ius practicandi 
  • Tauchmedizin-Ausbildung (Diplom Taucherarzt/Diving Medicine Physician) nach ÖGTH und ECHM/EDTC Training Standards
  • Zertifikat einer anerkannten Ausbildungseinrichtung über die abgeschlossene arbeitsmedizinische Ausbildung 

Nach dem Einlangen aller erforderlichen Unterlagen und Informationen erfolgt die Eintragung in die Ermächtigten-Datenbank. Die Ansuchenden werden per E-Mail über die Eintragung informiert.

Grundsätze und organisatorische Hinweise

Das Zentral-Arbeitsinspektorat hat unter Mitarbeit von Fachleuten auf den einschlägigen medizinischen Gebieten die folgenden Grundsätze für die ärztlichen Untersuchungen nach der Druckluft- und Taucherarbeiten-Verordnung ausgearbeitet.

In diesen Grundsätzen wird festgelegt, welche speziellen Untersuchungen zur Feststellung des morphologischen und funktionellen Zustandes jener Organe bzw. Organsysteme vor­zunehmen sind, die für die Beurteilung der gesundheitlichen Eignung zu den angeführten Arbeiten von Bedeutung sind, sowie auch die Untersuchungen jener Organe und Körper­teile, an denen gesundheitliche Schäden zufolge dieser Arbeiten auftreten können.

Sie enthalten ferner arbeitsmedizinische Kriterien, nach welchen die Untersuchungsergeb­nisse zu beurteilen sind.

Allgemeine Bemerkungen:

Die Verordnung sieht Untersuchungen vor Aufnahme von Arbeiten in Druckluft oder als Taucher (Erste Untersuchung), wiederkehrende Untersuchungen nach jeweils einem Jahr sowie eine Untersuchung bei Beendigung dieser Tätigkeiten (Enduntersuchung) vor. Wird die Arbeit in Druckluft oder als Taucher nicht innerhalb eines Monates nach Ausstellung der ärztlichen Bescheinigung durch den/die ermächtigte/n Arzt/Ärztin über die gesundheitliche Eignung aufgenommen oder erfolgte eine Unterbrechung dieser Tätigkeit wegen Druckluft- oder Tauchererkrankung oder wegen anderer Erkrankungen oder Beschwerden, die sich auf die gesundheitliche Eignung nachteilig auswirken können, so muss vor Antritt der Arbeit eine Nachuntersuchung vorgenommen werden.

Die erste Untersuchung sowie die jährlichen Untersuchungen sind hinsichtlich Art und Umfang gleich. Nach- oder neuerliche Unter­suchungen wegen späterer Aufnahme der Arbeiten in Druckluft oder als Taucher oder Untersuchungen nach Arbeitsunterbrechungen wegen einer Druckluft- oder Tauchererkran­kung oder anderer Erkrankungen, können sich auf Untersuchungen jener Organe bzw. Körperteile beschränken, bei welchen eine Änderung des Befundes im Hinblick auf die ver­flossene Zeit oder zufolge der Erkrankung aufgetreten sein kann bzw. zu erwarten ist. Dies sind insbesondere Untersuchungen des Nasen-Rachenraumes.

Die Enduntersuchung dient der Feststellung möglicher Gesundheitsschäden zufolge der Arbeiten in Druckluft oder als Taucher; sie hat daher jene Organe und Körperteile zu be­rücksichtigen, an welchen solche Schäden erfahrungsgemäß auftreten können, sofern entsprechende Beschwerden geäußert werden. Dies sind insbesondere Hals, Nasen­nebenhöhlen, Ohren, Zentralnervensystem, Herz-Kreislauf, Lunge sowie das Skelett­system.

Ärztliche Untersuchungen

Berufsanamnese, Gesundheitsanamnese:

Es ist besonders zu achten auf:

  • bisherige Arbeiten in Druckluft bzw. Taucherarbeiten,
  • durchgemachte Druckluft- bzw. Taucherkrankheiten,
  • Erkrankungen bzw. Gesundheitsstörungen, die für die Eignung zu Arbeiten in Druckluft oder Taucherarbeiten von Bedeutung sein können,
  • Erkrankungen jener Organe oder Körperteile, an denen gesundheitliche Schäden zufolge dieser Arbeiten auftreten können.

Befunderhebung

Allgemeine ärztliche Untersuchung:

  • Es ist besonders auf Fettleibigkeit zu achten.
  • Die Herz-Kreislauf-Funktion ist besonders zu berücksichtigen.

Hals-, Nasen- und Ohrenuntersuchungen:

Im Hinblick auf die Gefahr eines Barotraumas infolge einer Druckausgleichsstörung ist im Bereich der Nasennebenhöhlen, des äußeren Gehörganges und des Mittelohres zu achten auf den Funktionszustand sowie krankhafte Veränderungen.

Untersuchung der Extremitäten:

Prüfung der Beweglichkeit der Extremitäten in den Schulter-, Ellbogen-, Hand-, Hüft-, Knie- und Sprunggelenken.

Bei Verdacht auf druckfallbedingte aseptische Knochennekrosen zufolge vorangegangener Arbeiten in Druckluft und hinweisenden Beschwerden, sind auch Röntgenaufnahmen beider Schulter-, Hüft- und Kniegelenke in zwei Ebenen anzufertigen. Diese Röntgenaufnahmen sind erforderlichenfalls in Abständen von drei Jahren zu wiederholen.

Neurologischer Status:

* Zu prüfen sind der Patellarsehnen-, Achillessehnen- sowie die Bauchdeckenreflexe und die Sensibilität.

Zu achten ist auf Auffälligkeiten der Psyche.

Bei Verdacht auf Erkrankung des Zentralnervensystems oder bei vorangegangenen Druckfallerkrankungen mit zentralnervösen Ausfallserscheinungen ist nötigenfalls ein Elektroencephalogramm anzufertigen.

Blut:
*
Blutstatus (Erythrozyten, Leukozyten, Hämoglobin, Hämatokrit)
Harn:
*
Eiweiß
* Sediment
* Zucker
Ergometrie:

Zur Bestimmung der Leistungsfähigkeit des cardio-pulmonalen Systems sowie zur Erkennung von Koronarerkrankungen ist die symptomlimitierte Ergometrie nach den „Praxisleitlinien Ergometrie“ der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft durchzuführen.

Lungenfunktion:

Bestimmung der:
* Forcierten Vitalkapazität (FVC)
* 1-Sekundenkapazität (FEV1)
* FEV1%FVC
* MEF50 (max. exspir. Flusswert bei 50% der VC)

Spirometrien sind nach wissenschaftlich anerkannten Verfahren durchzuführen, wobei als Sollwerte die Werte nach Forche und Neuberger heranzuziehen sind.

Röntgenuntersuchung:

* p.a.-Aufnahme und eine seitliche Röntgenaufnahme der Thoraxorgane
  
gemäß dem Stand der Technik.

Es können auch Röntgenbilder, die diesen Anforderungen entsprechen und nicht älter als zwei Jahre sind, berücksichtigt werden.

Beurteilung

Grundsätzlich müssen für die Beurteilung der Eignung für Arbeiten in Druckluft und Taucherarbeiten erhöhte Anforderungen an das körperliche Leistungsvermögen gestellt werden.

Bei der Begutachtung von Röntgenaufnahmen der Gelenke ist auf Knochennekrosen besonders zu achten. Bei Taucher/innen sind nach bisherigen Erfahrungen hauptsächlich die Oberarmköpfe bzw. -hälse, bei Druckluftarbeiter/innen die Oberschenkelköpfe befallen. Die röntgenologisch nachweisbaren Skelettveränderungen bestehen in Sklerosierungen mit Destruktionsherden, die häufig subchondral gelegen sind. Häufig treten solche Veränderungen nicht einzeln, sondern an mehreren Stellen des Skeletts auf und sind solcherart für einen Druckluftschaden charakteristisch.

Eine wesentliche Beeinträchtigung der Lungenfunktion, die bei der Beurteilung der Eignung zu berücksichtigen ist, liegt jedenfalls vor, wenn nach mehrmaliger Messung der beste gemessene Wert den für den/die Untersuchte/n maßgebenden Sollwert mit 20% unterschreitet bzw. den MEF50-Sollwert mit 50% unterschreitet.

Eine Nichteignung aus diesem Grund sollte jedoch erst nach kurzfristiger Kontrolle dieser Werte ausgesprochen werden. Auch ist auf Veränderungen der Lungenfunktionswerte gegenüber Werten vorangegangener Untersuchungen zu achten.

Eine Eignung für Arbeiten in Druckluft und bei Taucherarbeiten ist im Allgemeinen nicht gegeben bei:

  • Erkrankungen im Nasen-Rachenraum, insbesondere bei Undurchgängigkeit der Tuben, akuten Nebenhöhlenaffektionen sowie Erkrankungen des Mittelohres; 
  • Erkrankungen der Atmungsorgane mit hochgradig eingeschränkter Lungenfunktion, wobei insbesondere auf tuberkulöse Kavernen, Lungenzysten, Emphysemblasen oder sonstige Höhlenbildungen in der Lungen zu achten ist;
  • Herz-Kreislauferkrankungen insbesondere Hypertonie, hypotone Regulationsstörungen, Krampfaderleiden;
  • Magen-Darmerkrankungen, insbesondere bei floriden Magen- und Zwölffingerdarm­geschwüren;
  • Hernien;
  • Gelenkserkrankungen;
  • Erkrankungen des Zentralnervensystems.

Ermächtigung gemäß der Tropentauglichkeitsverordnung

Die Verordnung über den Schutz von Bundesbediensteten in Dienststellen des Bundes in Tropenländern (Tropentauglichkeitsverordnung) sieht Untersuchungen vor Heranziehung zu Tätigkeiten in Tropenländern (Tropentauglichkeitsuntersuchung) vor. Für nähere Auskünfte kontaktieren Sie bitte die Abteilung Arbeitsmedizin und Arbeitspsychologie.

Liste der ermächtigten Ärztinnen und Ärzte

Die aktuelle Liste der ermächtigten Ärztinnen und Ärzte wird als Datenbank auf der Website der Arbeitsinspektion zur Verfügung gestellt.

Diese Liste enthält: Namen, Anschrift, Telefonnummer und E-Mail-Adresse der Ärztinnen und Ärzte sowie die Art der Untersuchung, auf die sich die Eintragung in die Liste bezieht.

Allfällige Änderungen (Name, Anschrift, für die Ermächtigung maßgebliche Umstände) sowie die Einstellung der jeweiligen Untersuchung oder der Tätigkeit sind von den Ärztinnen und Ärzten unverzüglich mitzuteilen. Das Zentral-Arbeitsinspektorat übernimmt daher keine Gewähr für die Richtigkeit der angeführten Daten.

In die Datenbank der ermächtigten Ärztinnen und Ärzte werden laufend die gemäß

  • § 56 Abs. 1 ArbeitnehmerInnenschutzgesetz
  • § 6 Abs. 1 und § 31 Abs. 2 Druckluft- und Taucherarbeiten-Verordnung sowie
  • § 3 Abs. 3 Tropentauglichkeitsverordnung

ermächtigten Ärztinnen und Ärzte eingepflegt.

Liste ermächtigte Ärztinnen und Ärzte (Abfrage) (XML-Tree

Die Form als Datenbank ermöglicht eine gezielte Abfrage nach verschiedenen Suchkriterien (wie z.B. Name der Ärztin/des Arztes, Einwirkung oder Tätigkeit, Bundesland).

Nach Eingabe aller gewünschten Suchkriterien den Suchvorgang mit ‚Ärzte und Ärztinnen suchen’ starten.

Ermächtigung nach dem Strahlenschutzgesetz

Fragen zur Ermächtigung nach dem Strahlenschutzgesetz richten Sie bitte an das dafür zuständige Gesundheitsministerium.

Letzte Änderung am: 20.07.2022